In einem kleinen, leeren Raum im Vigeland Museum in Oslo scheint sich ein Obdachloser eingenistet zu haben. Er liegt auf einer Decke auf Kartonunterlage in der Ecke und schläft. Deutlich hört man ihn atmen und schnarchen. Neben ihm liegen seine spärlichen Besitztümer in Plastiktüten. Eine alte Tasse, Tabak, Zigarettenpapier und sein italienischer Personal-Ausweis komplettieren seine Habe. Er hat sich offensichtlich vor den Widrigkeiten der Welt eine Zuflucht gesucht.

In seiner versteckten und in der Ausstellung Norsk Skulturbiennale doch exponierten Situation ist der vermeintliche Obdachlose ein irritierendes Moment für die Besucher des Projektes. Traut sich der Besucher, diesen kleinen, fast privaten Raum zu betreten und sozusagen die Intimsphäre zu stören, kann er entdecken, worum es sich in Wirklichkeit handelt: um eine inszenierte Situation, eine Installation mit beklemmender Wirkung.

 

Die Arbeit Maurizio – Homeless in Oslo ist einerseits eine Reaktion auf die aktuellen politischen Ereignisse in Europa (auch in Norwegen), wo rechtskonservative populistische Politik Erfolge feiert. Bestimmte Bevölkerungsgruppen wie Minderheiten, Migranten und andere drohen ausgegrenzt zu werden. So war es z.B. 2013 in Oslo verboten, im Freien zu schlafen. Diese Maßnahme zielte vor allem auf die wachsende Gruppe der Sinti und Roma in der Stadt. Der Titel der Arbeit, Maurizio, verweist auf die mögliche Herkunft des Obdachlosen: er ist offensichtlich Ausländer. Andererseits ist die Installation auch ein Bild für den Künstler als Außenseiter der Gesellschaft. Maurizio könnte das Alter Ego des Künstlers Pfelder sein. Die Arbeit bezieht sich aber auch auf die Kunstgeschichte und den aktuellen Kunstbetrieb, und zwar auf den italienischen Künstler Maurizio Cattelan. Jener hat seinerseits täuschend echt nachgestellte Clochards bei Ausstellungen z.B. in Turin inszeniert. Eine wichtige Strategie im Werk des italienischen Künstlers Cattelan wird aufgegriffen, nämlich jene des geistigen und physischen „Diebstahls“. So entwendete Cattelan z.B. einmal die gesamte Ausstellung eines Kollegen, um das Ganze in seiner eigenen Galerie zu präsentieren. Dieses Spiel wird aufgenommen und in die Osloer Präsentation von Pfelder eingefügt.

 

So ergeben sich bei näherer Betrachtung mehrere Bedeutungsebenen, die miteinander verwoben sind, die aktuell politische und soziale mit konkretem Bezug zu Norwegen und die kunstdiskursive des Spiels mit der Kunst.

  • Jahr

    2013

  • Ort

    Vigeland Museum, Oslo
    Ausstellung: Norwegische Skulpturbiennale
    Kuratorin: Helga Marie Nordby

  • Umsetzung

    Material: Kleidung, Plastiktüten, Zeitungen, Ausweis, diverses Kleinmaterial, Atemgeräusche von CD, CD-Player, Aktivboxen

  • website

    www.skulpturbiennale.no